taz-Titel zu Schwangerschaftsabbrüchen

Das ist wohl die schönste taz-Titelseite, die ich gemacht habe, ohne sie letztendlich zu machen.

Die taz-Kollegin Dinah Riese verfolgt schon länger den Fall einer Ärztin, die angeklagt wurde, weil sie auf ihre Hompage angegeben hat, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. Nun dorht ihr eine Verurteilung wegegn „Werbung für  Schwangerschaftsabbrüche“. Nächsten Freitag beginnt der Prozess.

Wir hatten eigentlich geplant, dass wir den großen Text von Dinah in der Montagsausgabe bringen – zum Start in die Woche. Am Mittwoch kam Dinah zu mir, um den Aufbau der Seite zu besprechen. Und dann haben wir auch noch eine Idee für eine mögliche Titelseite entwickelt. Mir fiel schnell der berühmte Stern-Titel aus dem Jahr 1971 ein mit der Zeile „Wir haben abgetrieben“ – bis heute eine Ikone.

Ich hatte Dinah daher gebeten, zu gucken, ob sie bis zum Produktionstag am Sonntag rund 25 ÄrztInnen zusammenbekommt, die sich unter der Zeile „Wir machen Abtreibungen“ abbilden lassen würden.

Erstes Problen: die ÄrztInnen mögen das das Wort „Abtreibung“ überhaupt nicht, also änderten wir um in „Wir machen Abbrüche“.

Zweites Problem: Die laufenden Sondierung für eine mögliche Jamaika-Koalition kamen nicht vom Fleck. Was das mit dem Schwangerschaftsthema zu tun hat? Inhaltlich leider nichts. Aber die Kollegen von der taz.am wochenende standen am Freitag auf einmal vor dem Problem, dass ihnen die zu Jamaika geplante Seite 3 und somit auch der Titel weggebrochen war. Und mir schwante, dass wir nun am Sonntag über Jamaika berichten werden müssen – und keinen Platz für die Schwangeschaftsabbruchgeschichte haben.

Also habe ich das Paket (Text plus Titel) der Wochenendredaktion angeboten. Dinah Riese musste ihren sehr hintergründigen Text etwas schneller Schreiben als geplant, beeitwillige ÄrztInnen gab es am Ende mehr als genug, Seite-1-Redakteur Michael Brake hat den Titel dann zusammen mit Layouterin Sonja Trabandt und Fotoredakteur Erik Irmer umgesetzt – sehr nah am Original, genau so wie ich mir das vorgestellt hatte.

Und Dinah Riese hat für taz.de noch einen Text über den Hintergrund des emblematischen Titels geschrieben.

NACHTRAG: knapp einen Woche nach erscheinen, wurde der taz-Titel zusammen mit dem Originalcover des Stern am Freitag im heute.journal gezeigt – in einem Breitrag über die Verurteilung der Ärztin in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro. Da sah das dann so aus:

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