Die taz-Gala der politischen Aktionen

Was für ein Spaß! Für den taz-Kongress im Haus der Kulturen der Welt habe ich mir eine besondere  Abendveranstaltung ausgedacht. Nachdem dem ganzen Tag über auf allen möglichen Podien über Politik geredet wurde, soll es nun um die Praxis gehen, um die Aktion, die politische Aktion.

Zusammen mit ein paar Kollegen habe ich elf politische Initiativen eingeladen, damit sie sich auf der Bühne des großen Saales dem Publikum präsentieren können. Das Demonstrationsrecht ist einfach: Sie haben fünf Minuten Zeit, in denen sie alles machen dürfen. Danach kommt die Polizei. Am Bühnenrand warten schon zwei Uniformierte (okay, es sind Schauspieler, aber sie verstehen ihren Job) und der Lichtregisseur schalten nach einem strengen Blick auf die Uhr auf Blaulicht um. Dann wird geräumt.

Das ganze ist eine Gala, eine Show. Also habe ich mir vier kenntnisreiche Sparringspartner besorgt, die auf der Bühne sitzen und das zu den einzelnen Initiativen ihren Senf abgeben. Neben eine taz-Kollegin und einer Performance-Künstlerin sitzen da auch Jochen Stay, von den Castor-Gegner x-tausendmal-quer und der – so habe ich ihn angekündigt – „alte Sack des Barrikadenkampfes“ Daniel Cohn-Bendit.

Die Bühne wird geentert u.a. von der Nazi-Persiflage „Front deutscher Äpfel„, von der dadaistischen Bergpartei, von Berliner Autobahn– und westdeutschen Gensaatgegnern. Und vom Pink Rabbit, einer antinationalistischen Aktionfigur der Naturfreundejugend, die so antideutsch ist, dass sie erstmal gar nicht ihre Kunstfigur, sondern ein english parlierendes galaaffinies Paar auf die Bühne schickt, dass dann, trotz Blaulicht und Polizeigeschubse sich nicht von der Bühne drängen lässt, bevor sie der taz – und da kein anderer taz-ler auf der Bühne war also mir – ein großes grünes Plüsch-Ehrenkreuz für unsere angebliche kriegstreiberische Berichterstattung der letzten Jahre verlieh.

Von deren Auftritt gibt es auch ein Video:

Am Ende sollte das Publikum per Applaus eigentlich bestimmen, wer denn nun die beeindruckenste Performance hingelegt hat. Aber trotz der heftigen Publikumsbeschimpfung druch Cohn-Bendit („ich drückt euch ja nur vor einer Entscheidung“)  blieb es dabei. Das Publikum wollte keinen oder viel mehr nur Sieger.

Für mich war es das erste Mal, dass ich auf so großer Bühne eine so lange Show moderiert habe. Und was soll ich sagen: ich hab mich wohl gefühlt.

Ein langer Bericht in der taz findet sich hier.

Der Kollegin von der Berliner Zeitung scheint die Show auch gefallen zu haben.

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